Innenminister Michael Stübgens Leben in der DDR - "Eine klassische Dissidentenfamilie"

FAZ (Quelle: faz.de)

30.09.2020

Michael Stübgen war 22, als er seinen Bruder in Budapest wiedersah. Der lebte im Westen, war ausgereist, nachdem er in der DDR mehrere Jahre im Gefängnis wegen versuchter Republikflucht gesessen hatte. Beide hatten sich heimlich in der ungarischen Hauptstadt verabredet – so heimlich, wie es eben ging, mit „Briefen, die natürlich gelesen wurden, und Telefongesprächen, bei denen es immer vernehmlich knackte, wenn die Stasi sich einschaltete“, erinnert sich Stübgen, CDU-Politiker und heute Innenminister von Brandenburg. Schon in Budapest hatten die Brüder das sichere Gefühl, dass sie beobachtet wurden. Als Stübgen zurück in die DDR reiste, wurde er an der Grenze angehalten, sein Gepäck wurde durchsucht und er fünf Stunden lang verhört. Die Stasi fand bei ihm auch gleich Verdächtiges: eine 1-D-Mark-Münze und eine vier oder fünf Tage alte Frankfurter Allgemeine. Das Geldstück diente dem Vorwurf des Devisenschmuggels, die F.A.Z. als Beweis für die Konterbande imperialistischen Propagandamaterials. Zum angedrohten Strafverfahren kam es nicht. Allerdings wurden alle weiteren Visumanträge Stübgens für einen Besuch Ungarns seitdem abgelehnt.

Die Geschichte an der Grenze war allerdings nur eine Episode in den ersten dreißig Jahren des Lebens des heute 61 Jahre alten Politikers, die von Gegnerschaft und erzwungener Anpassung an die Verhältnisse in der DDR geprägt waren.

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